Rezensionen zu Folge 5

Das akustisch sehr aufwändige Hörspiel spielt geschickt mit Versatz­stücken bekannter Genre-Filme und mischt ein bisschen Invasion, Verschwörung, Massenhypnose und Schamanismus dazu. Es geht um die Symbiose zweier Lebensformen und um deren Auswirkungen auf andere Spezies. Ungewöhnlich ambitioniert für ein Abenteuerhörspiel ist auch die Beschäftigung mit Elementen östlicher und altindischer Philosophien, sowie den Erkenntnissen früher und neuerer Traumforschung (Heraklit, Aristoteles bis Freud). Auch unser Takimo muss erkennen, dass ganz offensichtliche Realitäten sich als bloße Scheinbarkeiten erweisen.

Auch die fünfte Folge der Serie von Peter Liendl und Gisela Klötzer setzt auf intelligente Unterhaltung mit viel Action. Story und Konzept sind durchdacht und die Macher kommen dabei ohne Sternenhelden und Weltraumgeballer aus.

(Gerald Windl, Redaktion www.schallplattenmann.de und http://musikreport.de)


„Esito“, die fünfte Folge der Science-Fiction-Hörspielserie Takimo, bringt das Label Polaris nochmal einen weiten Schritt nach vorn: Neben allen bislang gewohnten Stärken der Serie, angefangen von einer äußerst starken Sprechercrew über gute Musik, tolle Atmosphäre und intelligente, spannende Stories gibt es diesmal noch einen Schlag Sahne obendrauf: mehr Humor und vor allem mehr Action als bisher ergeben ein Hörspiel, das als das bisherige Highlight angesehen werden kann.

Wieder ist es den Machern Peter Liendl und Gisela Klötzer gelungen, ein Hörspiel zu produzieren, das fesselt, fasziniert und die Fantasie anregt: ein Planet, auf dem Tiere sprechen lernen und Fledermäuse zusammen mit Menschen ein kollektives Traumbewusstsein bilden, dazu ein kriegerisches Affenvolk, das eine ganze Stadt entführt, und das ganze noch garniert mit viel Humor, der vor allem der Figur des Perry zu verdanken ist. Auch hören wir auf „Esito“ das erste Mal Details aus Takimos Kindheit, die den Charakter des Titelhelden vertiefen.

Sprechertechnisch ist die Folge sehr gut besetzt, und mit Jürgen Kluckert (der sogar mit ein paar Gesangseinlagen glänzen darf!) als Perry, dem gutmütigen, naiven Zottelbären, hat man eine Figur geschaffen, die ein wenig an Balou aus dem Dschungelbuch erinnert und von Kluckert hervorragend zum Leben erweckt wird.

Atmosphärisch stimmt wieder einmal alles, vor allem die tollen Dschungel­sounds, aber auch der ganze Rest passt und macht es einem mehr als leicht, sich in die spannende Geschichte entführen zu lassen. Einen winzigen Patzer gibt es zu bemängeln, als am Ende einer Szene der Ton ein wenig zu früh gedimmt wird, aber das wars dann auch schon mit der Kritik.

Wie gewohnt gibt es ein tolles, informatives Booklet, in dem es – passend zur Folge – viel Wissenswertes über die Themen Traum und Symbiose nachzulesen gibt.

Fazit: Eine rundum gelungene Folge, atmosphärisch und inhaltlich die bislang stärkste der Serie. Hörtipp!

(Stephanie Pelzer-Bartosch, www.hoerspatz.de)


Story [28/30]

Eingebettet in ein natürliches Paradies, verspricht eine Touristen-Stadt die Flucht in eine traumhafte Welt. Dichte Wälder umschließen das Anzeichen zivilisatorischer Anwesenheit. Fremdartige Laute zeugen von den Bewohnern des Planeten, verzaubern die Luft und entrücken die Reisenden von ihrem Alltag und ihren Sorgen. Doch etwas trügt die Idylle von Esito…In den Weiten des Weltalls tauchten Lebensformen des Planeten in einem Geisterschiff auf. Ungewöhnlich und unerklärlich, da diese Lebewesen nicht über eine entsprechende Intelligenz verfügen sollten, um ihre Heimat verlassen zu können…schon gar nicht in einem Raumschiff der militärischen Kategorie eines längst ausgestorbenen Sternenvolks…den Muuks.

In Begleitung von seinem Roboter-Hund Cox und mit vielen Fragen im Gepäck begibt sich Takimo nach Esito. Malerisch entfaltet sich seine Ankunft…dem Hörspiel lassen sich Bilder einer unbekannten Welt entlocken, der Vorstellungskraft sind keine Grenzen gesetzt…Esito lädt auf eine Entdeckungsreise ein. Angesprochen auf die Vorfälle im All beschwichtigt der Touristik-Manager Orloff die Vorkommnisse jedoch ohne eine Erklärung parat zu haben. In seiner Skepsis gefangen, stürzt sich Takimo in den ausgelassenen Strom der Touristen und läßt sich von ihm treiben…bis Cox ihm enteilt.

Eine elektronische Peitsche vibriert…Schmerzerfüllte Laute empfangen Takimo…Tiere werden in Käfige getrieben…Esito verliert sein unschuldiges Gesicht. Angetrieben von seiner Wut, gelingt es Takimo einen Bären zu befreien, der zu seiner Überraschung sprechen kann und einen Namen trägt…Perry. Von ihm erfährt Takimo so einiges über Esito. Unter anderem von einem ansässigen Waldvolk, welches Perry in seiner Schlafphase das Sprechen lehrt…An dieser Stelle findet sich die grundlegende Thematik wieder, um die Polaris eine Geschichte strukturiert. Symbiose und Träume…Esito ist nicht nur ein attraktives Reiseziel. Tief im innern der Wälder verbirgt sich eine Natur, deren Organismen füreinander existieren, über Träume miteinander kommunzieren und ein kollektives Gedächtnis bilden.

Bäume ächzen unter der Wucht der Turbinen, Kriegsschiffe sinken auf die Touristen-Stadt herab…Eine Invasion…Die Handlung ähnelt in dieser Phase ihrem Charakter nach, den guten alten Planet der Affen Filmen. Humanoide Lebewesen stehen unter der Doktrin intelligenter und kriegerischer Primaten, die Folge der Invasion ist die Versklavung der Touristen.

Zunächst fallen die fehlenden Motive und eine lethargische Story-Entwicklung auf…Die friedliche Touristen-Stadt…Das unbeschwerte Leben…selbst die Invasion wirkt gemächlich. Zeitweise keimt sogar eine latente Langeweile auf, dies sich schließlich aber als ein klar definiertes Element der Geschichte herausstellt. Ich fühlte mich eingelullt und träge, bis sich aufeinmal eine dramatische Wende in das Fleisch der Handlung schneidet…Faszinierend gestaltet sich das Zusammenspiel aus bewußt hervorgerufenen emotionalen Abläufen und einer sehr intelligenten und packenden Geschichte, wodurch das Hörspiel selbst wie eine Symbiose wirkt.

Im Gegensatz zu den vorangegangenen Folgen agieren diesmal fremde Völker, stellen einen wesentlichen Bestandteil der Handlung dar und verlassen auf diese Weise ihre Existenz im Schatten. Weiterhin gewinnt Takimo an Kontur, indem sich Einzelheiten aus seiner Vergangenheit aufdecken.

Anlaß zur Kritik könnte die Wahl der Settings sein. Offensichtlich schauen die Produzenten gerne den ein oder anderen Sci-Fi Film und lassen sich davon inspirieren. Da kommt einen schon mal was bekannt vor…

Sprecher [27/30]

Die hohe Qualität kann auch in dieser Folge gehalten werden. Ab und zu könnte Peter Flechtner als Takimo etwas emotionaler und aufgekratzter klingen. Zu gleichmütig nimmt er seine Versklavung hin. Ein wahrer Ohrenschmaus ist Jürgen Kluckert, der im Pelz vom Zottelbären Perry steckt. Äußerst putzig und clever gesprochen. Wer Herrn Kluckert mal singen hören möchte…bitte schön. Zeitweise erinnerte mich die charakterliche Ausprägung der Rolle an den Fossi Bären aus der Muppet-Show, wodurch Esito auch eine humorvolle Note verinnerlicht…klasse Rolle.

Souverän und authentisch agieren die anderen Sprecher, teils bekannte, teils frische.

Musik [14/15]

Die Stücke geben den unterschiedlichen Orten jeweils den passenden Rahmen. Das Touristen-Zentrum klingt nach Urlaub…lässig, verspielt. Kraftvoll die Auftritte der feindlichen Muuks, zeitlos die Wälder Esitos, sphärische Gesänge, Stimmen einer fremden Welt. Die Orte präsentieren sich durch die Musik als thematisch abgeschlossene Räume, unverkennbar in ihrer Stimmung und Bedeutung. Allen gemein ist die professionelle Produktion.

Effekte [15/15]

Esito ist ein äußerst lebendiger Planet, und so hört er sich auch an. Ständig ist Bewegung im Hintergrund, immer gibt es Geräusche zu entdecken…Imposant sind besonders die verschiedenen Untergrund-Geräusche…Schritte im Wald, Schritte am Ufer eines Flußes, Schritte im Gebüsch, u.s.w. Jeder Boden hat einen eigenen Ton, der zu dem äußerst natürlich klingt.

Cover [10/10]

Im Bild ist eine verträumte Stimmung festgehalten. Ein Ausblick auf eine Welt…eine Referenz an das Grund-Thema…Träume. Gedanken an gewisse Hollywood-Klassiker sind ebenfalls nicht zu verleugnen. Hinter der ansprechenden Fassade schlummern gehaltvolle Zeilen über Symbiose und Träume, die die Möglichkeit bieten, sich noch eingehender mit dem Hörspiel zu befassen.

Fazit [94/100]

Esito bietet die bislang intelligenteste Story der Serie. Das wird einem spätestens am genialen Ende bewußt. Anfänglich auftretende Längen in der Handlung entwickeln sich zum Sprungbrett einer gehaltvollen Umsetzung eines Sci-Fi Hörspiels, welches in ein Meer voller Phantasie, Überraschungen und grandioser Ideen eintaucht. Mit dem Zottelbär Perry gesellt sich eine echte Type an die Seite Takimos, der für einige Lacher sorgt. Einzig die sporadisch aufblitzende Ähnlichkeit mit bereits verfilmten Material läßt einen skeptisch die Augenbraue hochziehen.

Ich gehe dann mal wieder mit Perry singen…

(Thorsten Ciemny, Hoerspiel-Board)

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