Symbiose (Takimo 5)

Unter einer Symbiose versteht man ganz allgemein das Zusammenwirken zweier Systeme zum beiderseitigen Vorteil. In der Biologie findet sich oft eine Symbiose zwischen verschiedenen Organismen. Solche Beziehungen sind immer dann erfolgreich, wenn sich dadurch die Überlebens­chancen beider Partner erhöhen.

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Léon Cogniet: Eine Frau aus dem Land der Eskimos (Öl auf Leinwand, 1826) © The Cleveland Museum of Art

Symbiose und Evolution

Nach der Darwinschen Theorie entwickeln sich die Arten durch zufällige Erbgutveränderungen (Mutation) und durch das Überleben der Bestangepassten (Selektion). Es sind nicht die Stärksten, sondern die an ihren Lebensraum am besten Angepassten, die sich im Zuge des Evolutions­geschehens erfolgreich vermehren und die Entwicklung ihrer Art weiter voranbringen.

Im Daseinskampf erweist sich der Aufbau von Beziehungen zu anderen Partnern als großer Vorteil, wenn diese Partner Fähigkeiten haben, die einem selbst fehlen. Nach dem Grundsatz “Einer trage des Anderen Last” kommen so schon seit den primitivsten Anfängen des Lebens wesentliche Fortschritte zustande.

Die Zuhilfenahme von Fähigkeiten anderer Arten wird zwar anfänglich oft einseitig in Form eines Parasitismus benutzt, doch nachhaltige Fortschritte und Veränderungen ergeben sich erst durch gegenseitige Anpassung im Sinne einer symbiotischen Beziehung. In der Natur können deshalb alle Zwischenstadien zwischen radikalem Parasitismus und faktischer Verschmelzung von Organismen beobachtet werden.

 

Beispiele

Bestäubung von Blütenpflanzen durch Insekten, wobei die Insekten Nektar als Nahrung erhalten.

Transport von Pflanzensamen in Früchten durch Tiere, wobei Tiere die Früchte fressen und die Samen an einem anderen Ort wieder ausscheiden.

Flechten bestehen aus Algen und Pilzen, wobei die Algen durch Photosynthese Kohlenhydrate produzieren, die von den Pilzen aufgenommen werden, während die Pilze den Algen Wasser und Nährsalze liefern. Diese Symbiose ermöglicht es Flechten, auch unter extremen Bedingungen zu existieren; sie halten sehr große Temperaturschwankungen und häufige Wechsel zwischen Nässe und extremer Trockenheit aus. Flechten können 1000 Jahre alt werden.

Ameisen beschützen Blattläuse, wobei sie im Gegenzug von diesen Zuckerwasser erhalten.

Magen- und Darmbakterien der Tiere, die bei den Wiederkäuern unerlässlich für jegliche Nahrungsverarbeitung sind.

Der Putzerfisch befreit den Hai von lästigen und gefährlichen Parasiten (Krank­heitserreger). Für den kleinen Fisch ist es Nahrung, für den großen Körper­hygiene.

Ganz ähnlich funktioniert die Symbiose zwischen Nashorn und dem Madenpicker.

Seeanemonen leben oft auf dem Schneckenhaus von Einsiedlerkrebsen, wobei der Krebs von den giftigen Nesseln der Seeanemone geschützt wird und die Seeanemone von Nahrungsresten des Krebses profitiert.

Die Anemonenfische (auch Clownfische genannt) leben in enger Partnerschaft mit stark nesselnden Seeanemonen (zehn verschiedene Arten). Diese kleinen Fische bewohnen die Anemonen in Gruppen und schlafen sogar nachts im Magenraum der Wirte. Sie putzen nicht nur Schmutzteilchen von den Anemonen, sondern vertreiben auch deren Feinde durch Anschwimmen, warnende “Toktok”-Laute und Zurschaustellung ihrer bunten Körper.

Aber auch der Mensch lebt in Symbiose mit zahlreichen Tieren.

 

Symbiose von Mensch und Hund

Das Zusammenleben von Mensch und Hund ist eine der ältesten Symbiosen der Menschheits­geschichte. Bis vor einigen Jahren dachte man noch, dass die Domestizierung (Wildtiere dem Menschen durch Gewöhnung nutzbar machen) des Hundes vor etwa 14 000 Jahren im Nahen Osten oder in Asien begann. Allerdings zeigen neuere Untersuchungen der Erbinformationen, dass sich der Urhund schon vor etwa 135 000 Jahren vom Wolf getrennt hat. Damit wäre der beste Freund des Menschen rund zehnmal so alt wie bislang angenommen.

Eine interessante Theorie vertritt Gregory Acland, Veterinär an der Cornell University in Ithaca, USA. Danach verfügte der damalige Mensch noch gar nicht über die intellektuellen Fähigkeiten, den Hund zu domestizieren, da er selbst “noch nicht vollständig domestiziert” war. Der frühe Hund fand in der Nähe des Homo sapiens eine ökologische Nische und “verhaustierte” sich so selbst.

Wann und wie genau das Zusammentreffen zwischen Wolf und Mensch stattfand, wird wohl auf ewig ein Geheimnis bleiben. Jedenfalls profitierten beide Parteien von diesem Bündnis. Die Menschen nutzten die feinen Sinne des Wolfs zum Aufstöbern von Wild und als Frühwarnsystem vor Gefahren. Die Wölfe hingegen profitierten von den ausgeklügelten und erfolgreichen Jagd­techniken der Menschen.


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